The Deception of the Dog Whisperer

Die Täuschung des Hundeflüsterers

Blogeintrag einer Biologiestudentin, in dem sie ausführlich erklärt, warum sie Cesar Millan nicht mag.

Ganz lieben Dank an Sabrina Motschmann, die diesen interesanten, aber auch sehr langen Text übersetzt hat. Den Originaltext findet Ihr hier.

Millans Klienten und Fans haben zwei Dinge gemeinsam: Sie lieben ihre Hunde und sie haben überhaupt keine Ahnung, wie man sie erzieht. Ein unerzogener Hund in einem Haushalt kann eine Bürde sein und nerven, oder sogar gefährlich sein, das hängt vom Hund ab. Es ist natürlich für Menschen, sich Hilfe für ihre Probleme zu suchen, damit sie harmonisch mit ihren Haustieren leben können. Aber Cesar Millan stellt eine viel größere Gefahr für die ahnungslosen Klienten und Fans dar: Durch schlechte Trainingsanweisungen. Cesar Millan und seine fehlerhaften Theorien sind gefährlich für Hunde und für die Öffentlichkeit und sollten nicht von einer Firma – National Geographic – befürwortet werden, deren Ansehen auf Integrität und wissenschaftlichen Fakten beruht.

Es ist auch natürlich, dass diese Klienten, mit keinerlei Erfahrung und Wissen über Hundeverhalten, einem Hundetrainingsprogramm vertrauen, das von National Geographic ausgestrahlt wird, einer seit Langem bestehenden Firma mit makellosem Ansehen, das nur wenige infrage stellen. Aber das Problem mit blindem Vertrauen ist, dass sogar National Geographic manchmal Fehler macht. Wie in dem Fall, als sie sich dazu entschlossen, Cesar Millan AKA „Der Hundeflüsterer“ zu unterstützen.

Es gibt viele Gründe, warum diese Show jene anspricht, die sich nicht mit dem Hundeverhalten als Wissenschaft auskennen. Er ist charismatisch, er verströmt Vertrauen, er weiß immer, was in einer haarigen Situation zu tun ist, und, am wichtigsten, er löst Probleme schnell – was exakt das ist, was Fans und Hundebesitzer, die Zeit und Aufwand scheuen, in erster Linie wollen – eine schnelle Lösung. Für das unerfahrene Auge wirkt Cesars TV-Programm wie eine Hündchen-Wunder-Stunde – außer Kontrolle geratene Hunde mit schlimmen Verhaltensproblemen verwandeln sich in liebe, unterwürfige Haustiere, und das im Laufe einer Stunde. Die Klienten sind verblüfft! Wie um Himmels Willen macht er das?

Jeder mit einem geübten Auge kann das beantworten: Er betrügt.

Cesar Millan predigt eine Theorie, die auf Dominanz und Unterwerfung basiert. Er erfindet sogar eine eigene Sprache, um Probleme zu beschreiben, die Hunde haben können: Red Zone Dogs (Red Zone Hunde) = aggressive Hunde. Calm-assertive (ruhig-durchsetzungsfähig) = was ein guter Hundehalter sein sollte. Calm-submissive (ruhig-unterwürfig) = was ein guter Hund sein sollte. In seinem Buch erklärt er, dass es zwei Arten von Aggression bei Hunden gibt: Dominanz-Aggression, herrührend von Hunden, die „natürliche Führer“ sind, von ihren Besitzern nicht ordnungsgemäß dominiert werden und deshalb in einem Versuch aggressiv werden, die Unfähigkeit zur Rudelführung ihrer Besitzer zu kompensieren. Die andere Art von Aggression, die er beschreibt, ist Angst-Aggression: wo ängstliche Hunde Aggression als Mittel benutzen, Dinge abzuwehren, die sie nicht mögen.

Und für beide Probleme hat er dieselbe Lösung parat: Dominanz.

Er behauptet, die meisten Problemhunde würden ihre Besitzer schlichtweg nicht genug respektieren und würden nicht angemessen diszipliniert. Er verurteilt Menschen, die ihre Hunde vermenschlichen und mit Zuneigung überschütten und sagt ihnen, dass es falsch ist. Es ist falsch, aber die Sache ist die, das, nach dem aktuellen Stand der Wissenschaft, auch Cesar es falsch macht. Die große Mehrheit von Experten in diesem Fachgebiet unterstützt diese Auffassung, und viele von ihnen sind froh erklären zu können, warum:

Der größte Teil von Millans Theorie stammt angeblich von Untersuchungen an „wilden Wölfen“. Das Problem ist nur, dass es für die Mehrheit in den letzten hundert Jahren, bis 1975 (das Jahr, in dem Wölfe Artenschutz von der Regierung erhielten), durch die großen Bemühungen, die Art auszurotten, schwierig, wenn nicht geradezu unmöglich war, ein wildes Wolfsrudel finden. In einem Artikel des Canadian Journal of Zoology, schreibt David Mech: „Die meisten Untersuchungen über die soziale Dynamik von Wolfsrudeln wurden an Wölfen in Gefangenschaft durchgeführt. Diese in Gefangenschaft gehaltenen Rudel wurden üblicherweise aus Wölfen verschiedener Herkunft zusammengestellt und ihnen wurde erlaubt, sich nach eigenem Gutdünken zu vermehren,“(Mech, 2).

Dieser Zusammenwurf von beliebigen, nicht miteinander verwandten Individuen entwickelte ein völlig anderes Sozialverhalten als das, welches man bei wilden Wölfen vorfand; ganz besonders bezüglich des Vorkommens von Kämpfen zur Dominanz.

Erwachsene Wölfe, die sich in einer derart präkeren Lage befinden, kämpfen gegeneinander, um die Kontrolle über Futter und Ressourcen und – vermutlich – um die Rangordnung im Rudel, das stärkste, grausamste Tier stellt sich an die Spitze. Das ist es, woher das Konzept des „Alpha“ Wolfs überhaupt stammt und worauf Dominanz-Trainer immer wieder zurückfallen, wenn sie nach einer wissenschaftlichen Basis für ihre Methoden gefragt werden. Das Problem daran ist der Fakt, dass Wölfe in der Wildnis keine Rudel in dieser Art und Weise bilden. Mech schreibt: „Anstatt ein Wolfsrudel als Gruppe von Tieren zu betrachten, das von einem „Top Dog“ angeführt wird, welcher sich seinen Weg an die Spitze erkämpft hat, oder von einem ähnlich aggressiven Pärchen, bestehend aus einem Männchen und einem Weibchen, hat die Wissenschaft herausgefunden, dass die meisten Wolfsrudel lediglich Familiengruppen bilden, die genauso strukturiert sind, wie menschliche Familien,“ (Mech). Nach Mech, dem Gründer des International Wolf Center, der seit mehr als 50 Jahren Wölfe studiert und einige Bücher auf diesem Gebiet veröffentlicht hat, wetteifern diese Familien nicht um Dominanz. Die Eltern werden zu den Anführern dieser Gruppen, die Welpen folgen den Eltern auf ganz natürliche Weise und lernen von ihnen. Mit anderen Worten, es gibt nur wenige, wenn überhaupt existente Dominanzkämpfe unter wilden Wölfen, die zum selben Rudel gehören. Eine Hundetrainings-Theorie auf ein falsches Konzept über Wolfsverhalten zu stützen ist schlechte Wissenschaft, die zu ungenauen und ineffektiven Ergebnissen führt.

Das zweite Problem mit der Dominanztheorie über Wolfsrudel wird von Wendy van Kerkhove in ihrer Studie über das Sozialverhalten von Hunden umrissen: „Es wird überdies angenommen, dass das, was auf Wölfe zutrifft, auch auf Hunde zutrifft. Daraus geht hervor, dass, wenn eine stabile soziale Hierarchie zwischen den Hunden in einem Familienhaushalt existiert, Friede und Gelassenheit herrscht.“ (Kerkhove, 280)

Bedauerlicherweise, wie uns hunderte von Jahren der Evolution zeigen können, sind Hunde keine Wölfe. Ihr Verhalten deckt sich in keiner vergleichbaren Weise mit dem ihrer wilden Verwandten. Das liegt daran, dass der Hund ein domestiziertes Tier ist – eines, das wir Menschen für unseren eigenen Vorteil erschaffen haben, und in dieser Zeit haben wir es dazu geformt, sich nicht wie ein Wolf zu verhalten, sondern genau so, wie wir es wollen. Wenn wir einen Partner wollen, der uns dabei hilft, Schafe zu hüten, gibt es eine Rasse dafür. Wenn wir einen Hund wollen, der uns bei der Jagd die Beute bringt, gibt es eine Rasse dafür. Wenn wir einen Hund wollen, der unter der Erde Ratten jagt, gibt es auch dafür eine Rasse. Wir haben sogar Rassen nur wegen äußerlichen Gründen erschaffen – wir alle haben in unserem Leben schon Handtaschenhündchen gesehen. Dementsprechend haben diese hunderte Jahre unnatürlicher Selektion und selektiver Zucht zu einer Spezies geführt, die sich völlig anders verhält als ihre Ahnen. Wie Alexandra Semyonova in ihrer Studie über die soziale Organisation von Hunden erklärt: „Es scheint ein realistischer Gedanke zu sein, dass sich das Verhalten von Hunden und Wölfen genauso stark unterscheidet, wie das Verhalten von Schimpansen und Menschen,“ (Semyonova, 2). Also wenn ein Hunde kein Wölfe ist, warum beharrt Cesar Millan darauf, sie wie welche zu behandeln? Da bessere, effektivere Methoden zur Verfügung stehen, ist die Auswahl dieser fehlerhaften Methodenlehre nichts weiter als offensichtliche Verantwortungslosigkeit. Es ist der Job und die Pflicht von führenden Prominenten auf jedem wissenschaftlichen Gebiet, die modernste und am meisten unterstützte Wissenschaft zu fördern.

Der Gebrauch von Begriffen wie Dominanz und Unterwerfung hat eine schädliche Wirkung auf die allgemeine Bevölkerung und ihre Sichtweise darauf, wie man sich Hunden gegenüber verhält. Cesar verewigt dieses Missverständnis nicht nur dadurch, dass er diese Begriffe verwendet, um das Hundeverhalten zu erklären, sondern auch, weil er diese fehlerhafte Sichtweise in sein Trainingstheorie integriert. Das Ergebnis ist eine große Verwirrung für die Hunde, eine potenzielle Gefahr für die Besitzer und gewaltige Kopfschmerzen für Verhaltensforscher.

Sehen Sie, Hunde sind mehr wie Münzautomaten, als Wölfe – Sie stecken das Geld hinein und wenn Sie den richtigen Knopf drücken, kommt eine Packung Süßigkeiten heraus. Ihre kognitive Veranlagung beruht auf Input und Output: „Wenn ich dies mache, wird das passieren.“ Sie lernen durch klassische und operante Konditionierung – lernen durch Assoziation. In diesem Sinne sind sie menschlichen Babies sehr ähnlich. Sie unterschieden sich jedoch in ihrer Fähigkeit, Gründe zu nutzen. Ein Hund hat keine komplexen Motivationen für sein Handeln. Er kennt nur „sicheres“ Verhalten – Dinge, für die er nicht bestraft wird. Und „unsicheres“ Verhalten – Dinge, die er mit Strafe verbindet. Ein Hund versteht nicht, warum zwei Dinge zusammengehören, er weiß nur, dass es so ist. Sie lernen am besten durch operante Konditionierung, welche ein erwünschtes Verhalten mit einer darauffolgenden Belohnung verbindet. Mit dieser Methode ist es möglich, einem Hund praktisch alles beizubringen, durch Belohnung und Wiederholung. Es geht um Motivation. Sie würden nicht zur Arbeit gehen, wenn Sie dafür nicht bezahlt würden, oder? Und Sie würden härter arbeiten, wenn Sie denken, dass Sie dafür vielleicht einen Weihnachtsbonus bekämen, oder? Warum sollten Hunde erwarten, dass sie umsonst arbeiten?

Wie auch immer, Cesar verwendet diese Methode nicht, wenn er versucht, Hunde zu „rehabilitieren“. Er verwendet aversive Methoden wie Korrekturen (Anm.: Da „corrections“ auch mit Strafen übersetzt werden kann, sind hier wohl vor allem körperliche Korrekturen gemeint), sobald ein Hund daran scheitert das zu tun, was er von ihm möchte (ohne Rücksicht darauf, ob der Hund überhaupt verstanden hat, was von ihm verlangt wird), oder Techniken wie das Flooding und Bedrängung, um den Hund im Zaum zu halten. Das ist keine Verhaltensveränderung. Es ist Verhaltensunterdrückung. Der Hund wird weiterhin in seinem unerwünschten Verhalten feststecken, wenn sein Besitzer nicht bei ihm ist. Der Hund hat nur gelernt, dass es „unsicher“ ist, ein bestimmtes Verhalten im Beisein seines Besitzers zu zeigen.

Sehen Sie sich eine Episode von „Der Hundeflüsterer“ an und Sie werden einige Beispiele für diese vermeintliche Rehabilitation sehen. Dazu gehört das Würgen von Hunden mit ihrer Leine, wenn sie unerwünschtes Verhalten zeigen; dazu gehört, Hunde Situationen auszusetzen, vor denen sie sich wahnsinnig fürchten (eine Technik, die man „Flooding“ nennt); dazu gehört, einen Hund körperlich an den Rand der Erschöpfung zu bewegen (Anm.: „to exercise“ – hier ist wohl vor allem die Bewegung auf dem Laufband gemeint), damit sie schlichtweg nicht mehr die Energie haben, sich auffällig zu verhalten; dazu gehören „Alphawürfe“ – eine Technik, bei der er den Hund auf den Rücken dreht und mit dem Bauch noch oben fixiert, bis er aufhört sich zu wehren. Seine Begründung für diese spezielle Methode ist, dass es das wäre, was Wölfe auch in der Wildnis machen, um ihre Autorität zu bestätigen. Er scheitert jedoch daran, die Besitzer dahingehend zu informieren, dass Wölfe dieses Verhalten freiwillig zeigen, sie werden nicht gewaltsam auf den Boden gedrückt. Auch weiß er nicht, oder vergisst zu erwähnen, dass der einzige Zeitpunkt, an dem in der Natur ein echter (Anm.: in diesem Fall mit aktivem zu Boden drücken) Alphawurf geschieht, der ist, an dem ein Wolf vorhat, den anderen zu töten. Ein „Alphawurf“ bedeutet für Hunde also, einer Situation ausgesetzt zu sein, in der es um eine ernsthafte Androhung von Gewalt geht, und einer gehörigen Dosis „Piss dir in die Hosen“ Terror. Nicht unbedingt der beste Weg, das Vertrauen eines Hundes zu gewinnen.

Das sind keine Trainingsmethoden, das ist erzwungene Unterwerfung; und aus der Sicht des Hundes sind diese Methoden angsteinflößend, traumatisch und körperlich schädlich – und verschlimmern die Verhaltensprobleme des Hundes. Am schlimmsten ist, sie funktionieren nicht. Nichts davon wird einem Hund jemals dazu bringen, von alleine und freiwillig das Verhalten abzustellen, das ihm beigebracht wurde. Um das Verhalten eines Hundes zu verändern, muss ihm beigebracht werden, ein neues, akzeptableres Verhalten zu zeigen. Das geschieht nicht, indem man jemandes Hund grob behandelt und ihm unangenehme Dinge aufzwingt. Es involviert echten, tatsächlichen Unterricht, langsam und Schritt für Schritt. Hunde müssen außerdem eine Motivation erhalten, um ihr aktuelles Verhalten abzulegen. Diese ist für jeden Hund anders, aber die häufigsten Motivatoren sind Futter und Spielzeug. Gibt es keine Motivation, keinen zweckmäßigen Grund für den Hund, das erwünschte Verhalten zu zeigen, wird das Training weniger effektiv sein, wenn nicht sogar vollständig unwirksam. Während aversive Techniken unter gewissen Umständen für kurze Zeit wirksam sein mögen, wird es nicht lange dauern, bis der Hund wieder in alte Gewohnheiten zurückfällt, da das Verhalten lediglich unterdrückt, aber nicht verändert wurde.

Cesar versäumt es auch den Fakt zu benennen, dass jede Aggression des Hundes im Grunde von Angst herrührt. So etwas wie Dominanzaggression gibt es nicht. Hunde verhalten sich aggressiv als äußeres Anzeichen dafür, dass sie sich unwohl fühlen. Wenn Hunde keine Führung und Anweisung erhalten und ihnen nicht beigebracht wird, dass Dinge, die sie fürchten, ihnen nicht wehtun werden, werden sie sich aggressiv verhalten, wann immer sie mit dem Grund ihrer Angst konfrontiert werden und ihre Stressschwelle überschritten ist. Hunde verhalten sich böse gegenüber anderen Hunden, weil sie traumatische Erfahrungen gemacht haben, oder weil sie die Körpersignale des anderen Hundes missinterpretieren, oder aus schlichter Angst vor dem Unbekannten – manche Hundebesitzer nehmen die Sozialisation des Hundes in den kritischen ersten Lebensabschnitten nicht ernst genug. Jene, die ihre Hunde nicht sozialisieren, riskieren, dass ihr Hund andere Hunde als etwas Ungewohntes betrachten und dadurch als etwas „unsicheres“. Hunde verhalten sich aus verschiedenen Gründen aggressiv gegenüber Menschen, mit Betonung darauf, dass sie unsere Körpersprache missverstehen können. Hunde stellen sehr schnell Fehlverknüpfungen her, betreffend ihrer Assoziationen und ihrem Lernverhalten, daher kann es schnell passieren, dass ein ahnungsloser Hundehalter versucht, seinen Hund für ein Fehlverhalten zu bestrafen und der Hund die Strafe mit etwas anderem verbindet, als der Halter beabsichtigt hat. Als Beispiel: Einem Hund, der gerade versucht, durch eine Tür zu rennen, diese ins Gesicht zu schlagen, muss nicht dazu führen, dass der Hund von nun an Angst hat, durch diese Tür zu rennen. Der Hund könnte seine Angst stattdessen auf Türen allgemein generalisieren und nicht auf den Akt des Durch-die-Tür-rennens. Folglich wurde das Verhalten an sich nicht korrigiert und nun, zusätzlich, hat der Hund auch noch tödliche Angst vor Türen. Dies ist ein unglaublich einfacher Fehler, den man machen kann, selbst mit dem besten Trainer, denn eine Aktion und eine Konsequenz (positiv und negativ) zu timen, ist unheimlich schwer und benötigt viel Übung. Aber das zugrundeliegende, unausgesprochene Problem mit dieser Methode ganz allgemein ist, dass das gewünschte Verhalten nur durch Angst oder aversive Methoden sichergestellt wird.

Das bedeutet, dass der Hund nur Dinge macht, weil er dazu gezwungen wird, oder weil er Angst vor dem hat, was passieren wird, wenn er sie nicht macht. Und da wir uns alle darüber einig sind, dass Menschen sich professionelle Hilfe suchen, weil sie ihre Hunde lieben und lieber deren Verhalten verändern wollen, anstatt sie aufzugeben, können wir annehmen, dass sie ihren geliebten Haustieren keine Schmerzen oder unnötigen Stress bereiten wollen.

Bedauerlicherweise ist es aber genau das, was sie ihren Hunden antun, wenn sie sich an Cesar wenden. Aversive und missbräuchliche Techniken sind Cesars Spezialität, obwohl es er so nicht in seiner Show erklärt, das ist die ihm eigene Magie, mit der er seine eigene Sprache erfunden hat, es ist keine Quälerei, es ist „Dominanz“! So hört es sich besser an, aber nur für uns; sicherlich nicht für den Hund. Das fehlende Wissen seiner Klienten bezüglich Hundeverhalten ausnutzend, trickst er sie aus, indem er ihnen weismacht, ihre Probleme zu lösen. Und weil sie ihn als Autoritätsperson ansehen – er muss wissen, wovon er redet, schließlich ist er bei National Geographic zu sehen – sind diese Besitzer mehr als glücklich darüber, sich im Hintergrund zu halten und zu applaudieren, wenn Cesar ihre Hunde misshandelt und sie dazu zwingt, ein Verhalten zu zeigen, das der Besitzer sehen will. Diese Menschen danken Cesar für seine unschätzbare Hilfe, obwohl den geliebten Fellbabies die sogenannte „erlernte Hilflosigkeit“ einzuflößen alles ist, was er macht.

Erlernte Hilflosigkeit zeigt sich dann, wenn eine Kreatur sich dazu entschieden hat, dass es nichts gibt, womit es sich selbst noch helfen kann, und es somit aufhört, es zu versuchen. Es ist ein herzzerreißender Zustand der Misshandlung und der Niederlage. Im Rechtssystem verwenden wir diesen Begriff bei Zuständen, die wir bei Langzeitopfern häuslicher Gewalt vorfinden und mit diesem Begriff verbinden wir nichts Positives. Wollen Menschen wirklich einen Trainer in der Nähe ihrer Haustiere, welcher dieselbe Art von Methoden verwendet wie ein misshandelnder Ehemann, der damit seine Frau dominiert? Man sollte es nicht meinen, aber genau das ist der verführerische Einfluss von Cesar Millan. Er nutzt Techniken, welche die Haustiere von Menschen direkt vor ihren Augen in Angst versetzen und verletzen, und trotzdem betrachten sie ihn immer noch als Wundertäter.

Das ist er nicht. Was er ist, ist ein Hochstapler. Ohne die Verschleierung durch die unerschütterliche Unterstützung der vertrauensvollen, wissenschaftlichen Autorität von National Geographic und des psychologischen Masseneffekts, würden die Menschen seine schädlichen Methoden erkennen und ihn nicht mehr beachten. Aber weil National Geographic und auch Cesar selbst ihn als ausgebildeten Profi porträtieren, wird er vom durchschnittlichen Fernsehzuschauer, ohne beweisbares Wissen als exzellente Autorität betrachtet und deswegen stellen sie ihn auch nicht infrage, wenn er jemandes Hund auf den Rücken dreht, trotz des Faktes, dass der Hund sich vor Angst krümmt und diese traumatische Handlung auf lange Sicht keinen positiven Effekt haben wird.

Wenn Cesars Methoden gegenstandlos sind, wundert sich die Öffentlichkeit, warum national Geographic seine Show weiterhin ausstrahlt und unterstützt. Der Grund ist, traurigerweise, derselbe Grund, aus dem alle schlechten Shows ausgestrahlt werden: Werbung und Profit. Cesar verdient eine beeindruckende Summe Geld an seinen Klienten, seinen Büchern und seiner Show; und National Geographic erhält einen Anteil daran. Sie erhalten dadurch auch ständig neue Zuschauer. Das ist aber auch alles, was sie bekommen. Warum sie sich dazu entschieden haben, ihr einwandfreies Ansehen zu beschmutzen, indem sie Schrottwissenschaft unterstützen, ist ein Mysterium. In einem Antwortbrief, geschrieben von Andrew Luescher – ein tierärztlicher Verhaltensforscher, den national Geographic damit beauftragte, Cesars Show zu bewerten, bevor sie überhaupt erst ausgestrahlt wurde – erhebt er die Frage: „Die Show weist den Zuschauer immer wieder darauf hin, dass der die gezeigten Methoden nicht zu Hause nachmachen soll. Was aber ist dann der Zweck dieser Show? Ich denke, wir müssen realistisch sein: Die Menschen werden diese Techniken zu Hause ausprobieren, sehr zum Leidwesen ihrer Haustiere,“ (Luescher, 1). Er fährt damit fort, die verwendeten Methoden zu verurteilen und appelliert, die Show nicht auszustrahlen: „Meine Kollegen und ich und unzählige Führungskräfte in der Gemeinschaft des Hundetrainings haben Jahrzehnte daran gearbeitet, solche grausamen, ineffektiven und unangemessenen Methoden zu eliminieren,“ (Luescher, 1). Tatsächlich, Cesars Methoden verursachen einigen Wirbel bei seriösen Hundetrainern. Luescher ist nicht der einzige. Ein Aufschrei geht durch die Trainer – diese Menschen wollen nicht von Cesar oder seinen primitiven, ineffektiven Techniken repräsentiert werden. Außerdem wollen diese Fachmänner nicht, dass seine persönliche Philosophie für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird – ein Bereich, in dem fehlerhafte Informationen in den Händen von Tierbesitzern, die zwar guten Absichten haben, aber nicht genug wissen, um gute Ratschläge von schlechten unterscheiden zu können, zu bedeutendem Schaden führen können.

Viele Fachmänner des Hundetrainings verurteilen Cesar – Ian Dunbar, Karen Pryor, Pat Miller, Dr. Nicholas Dodman, und Dr. Suzanne Hetts – allesamt langjährig respektierte Individuen auf dem Gebiet der Tierverhaltensforschung und des Hundetrainings. Sie alle haben ihre Bedenken gegenüber National Geographic geäußert. Sogar Organisationen beschweren sich. In einem Brief an eine Firma für Flohabwehrmittel, die Millan unterstützt, heißt es von der American Veterinary Society of Animal Behavior: „Das American College of Veterinary Behaviorists (ACVB), die American Veterinary Society of Animal Behavior (AVSAB), und die Society of Veterinary Behavior Technicians (SVBT) sprechen sich gemeinsam gegen die straforientierten Techniken aus, die Mr. Millan in seiner Fernsehshow „Der Hundeflüsterer“ anwendet,“(Meyer, et al., 1). Mit derlei starken Worten aus so vielen Quellen scheint es unmöglich, dass National Geographic all diese Informationen ohne Federlesen ignoriert. Und dennoch unterstützen sie Cesar noch immer und stehen hinter seiner Show. Es ist zu einem wachsenden Problem für die Menschen geworden, die ihr Leben diesem Fachgebiet widmen und jeden Tag daran arbeiten, den von Cesar gelehrten Methoden entgegenzuwirken.

American Humane verurteilt den Hundeflüsterer ebenfalls: „Als Vorreiter der humanen Hundeerziehung befinden wir die extrem grobe Behandlung von Tieren in dieser Show und die unmenschlichen Trainingsmethoden als potenziell schädlich für die Tiere und Menschen in dieser Show“, sagt der Autor des Briefes, Bill Torgerson, DVM, MBA, der Vizepräsident für den Tierschutzservice innerhalb von American Humane. „Sie erweisen außerdem sämtlichen Zuschauern der Show einen schlechten Dienst, indem sie eine ungenaue Botschaft über das vermittelt, was effektives Training und artgerechten Umgang mit Tieren ausmacht,“ (Blauvelt, 1). Dieser Auszug ist repräsentativ für die Briefe, die National Geographic zu diesem Thema erhält. Tatsächlich ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, eine professionelle Meinung über Cesar zu finden, die nicht irgendwie davor warnt, seine Methoden, egal in welcher Situation, nachzuahmen. Die meisten weisen tatsächlich darauf hin, dass ein Nachahmen zu gefährlichen Situationen für Hund und Besitzer führen kann, die auch zu Verletzungen führen können.

In jeder Beziehung ist klar: Cesars Weg ist nicht der Weg. Es existieren nur sehr wenige, wenn überhaupt, professionelle Trainer die ihr Geld wert sind, die seine Methoden unterstützen oder anwenden. Aber das steht nicht in Verbindung mit der breiten Masse, die nicht den Vorteil jahrelanger Erfahrung und Praxis im Hundetraining besitzt, um diesen Betrug zu durchschauen. Das hätte National Geographic einsehen müssen. Sie hätten die verantwortungsvolle Entscheidung treffen sollen, strafbasierende Methoden nicht weiter zu fördern, die mehr Schaden als Nutzen anrichten. Offensichtlich ist National Geographic sich bewusst, dass es einen Unterschied gibt zwischen Methoden, die als akzeptabel erachtet werden, und dem, was in der Show gezeigt wird. Und dennoch haben sie sich dazu entschieden, die Ratschläge von vielfachen seriösen Quellen bewusst zu ignorieren, denn die Show wurde ausgestrahlt und wird das noch heute. National Geographic ist der Nation nach wie vor eine Erklärung schuldig, warum sie anerkannte Wissenschaften zugunsten von Sensationsmache ignorieren. Aber das ist eine Frage, auf deren Antwort die gesamte Hundetrainergemeinschaft wartet; in der Zwischenzeit sind es die ahnungslosen Zuschauer und ganz besonders ihre Tiere, die weiterhin leiden werden.

Quellnachweise: 
Blauvelt, R. “Dog Whisperer Training Approach More Harmful Than Helpful.” Companion Animal News. Fall 2006. 23; 3, pages 1-2. Print.
Kerkhove, Wendy van. “A Fresh Look at the Wolf-Pack Theory of Companion Animal Dog Social Behavior” Journal of Applied Animal Welfare Science; 2004, Vol. 7 Issue 4, p279-285, 7p.
Luescher, Andrew. “Letter to National Geographic Concerning ‘The Dog Whisperer.’” Weblog Entry. Urban Dawgs. Accessed on Novermber 6, 2010. (http://www.urbandawgs.com/luescher_millan.html)
Mech, L. David. “Alpha status, dominance, and division of labor in wolf packs.” Canadian Journal of Zoology 77:1196-1203. Jamestown, ND. 1999.

Mech, L. David. “Whatever Happened to the Term Alpha Wolf?” Weblog Entry. 4 Paws Univeristy. Accessed on October 16, 2010. (http://4pawsu.com/alphawolf.pdf)
Meyer, E. Kathryn; Ciribassi, John; Sueda, Kari; Krause, Karen; Morgan, Kelly; Parthasarathy, Valli; Yin, Sophia; Bergman, Laurie.” AVSAB Letter the Merial.” June 10, 2009.
Semyonova, A. “The social organization of the domestic dog; a longitudinal study of domestic canine behavior and the ontogeny of domestic canine social systems.” The Carriage House Foundation, The Hague, 2003. 38 Pages. Print.

Text: Ladycyon/ der Text ist ursprünglich hier erschienen, mittlerweile aber vermutlich verschoben worden.

Titelbild: (c) CesarsWay.com

 

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